DBW 2015 – In the year 2025

Hallo Leute,

man wie schnell die Zeit vergeht, jetzt haben wir schon Dienstag. Das Thema der Diabetes Blog Woche heute lautet Zukunftsmusik – Diabetes im Jahr 2025. Eine äußerst spannende Frage. Es passiert zur Zeit sehr viel. Auf allen Sektoren gibt es interessante Entwicklungen.

… mein Favorit 2025

Als ich vor einigen Jahren von der ersten künstlichen Pankreas gehört habe, die nicht als Gerät außen getragen wird, sondern transplantiert wird, war ich voller Begeisterung. In Dresden wurde einem Mann eine solche Pankreas eingesetzt. Ich bin Wetten eingegangen, dass auch ich in zwei Jahren geheilt bin und keinen Diabetes mehr habe. Um es vorweg zu nehmen, die zwei Jahre sind fast herum und ich bin immer noch Diabetiker.

… wie sie funktioniert, die künstliche Pankreas

Die künstliche Pankreas zum Transplantieren selbst, finde ich persönlich ziemlich genial und faszinierend. Sie ist mein geheimer Favorit. Ich beschreibe mal kurz den Aufbau der Pankreas.
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Insulinzellen vom Schwein werden in einem Gel angesiedelt. Das Gel selbst regelt die Insulinabgabe selbstständig, abhängig vom Glukosespiegel des Blutes, von dem es umgeben wird. Bei einem hohen Blutzucker – viel Glukose im Blut – wird die Insulin-Durchlässigkeit des Gels größer und umgekehrt, bei zu niedrigem Blutzucker, nimmt die Insulindurchlässigkeit des Gels ab. Das Gel, in dem die Insulinzellen des Schweins angesiedelt sind, regelt den Blutzucker autonom, ohne Steuerelektronik oder die Notwendigkeit den Blutzucker kontinuierlich messen zu müssen.

Damit die Insulinzellen nicht vom Immunsystem angegriffen werden, wird das Gel von einer Membran umgeben, durch die das Insulin nach außen dringen kann, aber umgekehrt nichts an die Zellen gelassen wird, was diese zerstören könnte. So bleiben die Zellen im Gel durch eine Membran geschützt. Das Ganze soll dann bis zu einem Jahr lang im Körper funktionieren.

… die Steine auf dem Weg zum Erfolg und Durchbruch

Nun zu den noch existierenden Problemen bei der künstlichen Pankreas. Große Probleme scheint es noch in der spezifischen Anpassung des Gels an den Patienten zu geben, dass auch immer die richtige Menge an Insulin zu dem momentanen Blutzuckerwert abgegeben wird. Auch dürften Änderungen der Lebensumstände, wie eine Gewichtsänderung, oder vitale Umstände, wie Sport, eine Herausforderung zur Auslegung des Gels darstellen.

Ein weiteres Problem sehe in der Laufzeit dieser Pankreas. Ein Jahr ist für einen massiven operativen Eingriff eine sehr kurze Zeit. Ich möchte nicht jedes Jahr eine umfangreiche Operation an der Leistengegend über mich ergehen lassen.

Die zwei Probleme halte ich aber für überwindbar, so dass ich davon ausgehe, dass in 10 Jahren eine Pankreas in dieser Richtung zur diabetischen Standardbehandlung gehört. Juhu weg ist mein Monster. Ätsch, nach 50 Jahren besiegt.

… oder etwas Unerwartetes entsteht

Aber es kann natürlich auch etwas Überraschendes dabei ‚raus kommen.

Man kann nicht nur das Hormon Insulin mit der Membran vor Antikörpern, sondern auch andere Transplantate vor der Abstoßung schützen.

Vielleicht wird man in 10 Jahren nicht nur Insulinzellen in der Membran ansiedeln sondern auch andere Hormone wie Amylin. Amylin ist ein Hormon, das im Zusammenhang mit einer hohen Dosis basalem Insulin ausgeschüttet wird und ein Sättigungsgefühl erzeugen soll. Dieses Hormon geht bei Diabetes auch verloren. Eine Zulassung als Medikament, Symlin, hat das Hormon in Deutschland nicht erhalten. In den USA ist es zugelassen. Einnahmeunverträglichkeiten durften hier eine Rolle gespielt haben, so dass eine Transplantation solcher Zellen auf einem Gel in einer Membran doch eine perfekte Lösung darstellen könnte.

… und ein Fazit

Ob sich mein Favorit, die künstliche Pankreas, eine Pankreas mit Insulin Pumpe oder eine Transplantation von Zellen durchsetzen wird, vermag ich nicht zu sagen. Es werden bestimmt spannende 10 Jahre bis zum Jahr 2025. Es wird an so vielen Ecken geforscht, so dass bestimmt auch noch die ein oder andere Überraschung in unser Diabetes Alltag Einzug halten wird.

… noch eine Einordnung, wo die künstliche Pankreas steht

Um meine Euphorie ins rechte Licht zu rücken, wollte ich zum Schluss noch eine Einordnung der künstlichen Pankreas vornehmen. Mehr als eine Insulinpumpe und einen kontinuierlichen Blutzucker Sensor wird die künstliche Pankreas nicht ersetzen. Vieles ist ja beim Diabetes nicht erforscht. So lässt beispielsweise die Hormonbildung von Glukagon, aber auch von Amylin nach. Auch werden Autoimmun-Reaktionen des Körpers nicht geheilt. Eine reale Pankreas wird man so schnell wohl nicht nachbilden können, wenn man es denn überhaupt jemals kann. Auch eine echte, vollständige Heilung ist wohl eher eine Utopie. Der von mir beschriebene Ansatz zu einer transportierbaren, künstlichen Pankreas wäre eine biotechnische Insulinpumpe, ein Closed Loop Control, nicht mehr. Und der Weg dahin ist holprig und voller Steine. Mehr ist wohl auch langfristig nicht möglich, dazu ist unser Körper einfach zu komplex.

Viele Grüße Euer

Thomas

… Links zur künstlichen Pankreas

http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/medizinische_fakultaet/news/news-20131029-bioreactor

http://www.dmu.ac.uk/research/research-faculties-and-institutes/health-and-life-sciences/pharmaceutical-technologies/artificial-pancreas/artificial-pancreas.aspx

https://www.youtube.com/watch?list=PLxfoFLLl3pz8a4-EERSw4-6kHSdChCeO_&v=NuzV3h2MyN4

… Links zur Amylin

https://thomas-diabetes-blog.com/2015/04/amylin

http://diabetes-leben.com/2015/04/insulin-amylin.html

… ein Hinweis

Die Überschrift greift den Song „in the year 2525“ von Denny Zager und Rick Evans auf.

#dedoc #dblog #DBW2015 #Diabetes

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2 Responses

  1. Sascha sagt:

    Und dann gibts da noch den Bio Hub. Da hatte ich vor knapp zwei Jahren schon einmal was zu geschrieben. Damals war alles noch sehr weit in der Zukunft. Aber in diesem Jahr wurde das Prinzip zum ersten mal erfolgreich umgesetzt…
    http://sugartweaks.de/diabetes-heilbar-durch-bio-hub/

    Antworten
    • thomas sagt:

      Hallo Sascha,

      dank Dir für die Info und den Link. Den Bio Hub habe ich gar nicht richtig wahrgenommen. Die Idee klingt nicht minder spektakulär. Eine Überraschung für mich. In diese Richtung wird viel geforscht. Auch die Entwicklung des mitdenkenden Insulins geht wohl in diese Richtung.

      Viele Grüße Thomas

      Antworten

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