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Das erste Mal mit Diabetes

Hallo Leute,

Beim Stöbern quer durch die Diabetes Blogs viel mir sofort die Blogparade „Das erste Mal mit Diabetes …“ von Lea auf. Ja, bei Themen, die mit „Das ersten Mal ….“ beginnen denkt man schnell an etwas bestimmtes. Darüber in meinem Blog zu schreiben, dachte ich mir, junge, junge nicht einfach, eine Herausforderung, schon die richtigen Worte für das erste Mal zu finden.

http://insulea.blogspot.de/2015/07/das-erste-mal-mit-diabetes-eine.html

… das ist gemeint

Ich hab dann bei Lea weiter gelesen und festgestellt, ach so, das erste Mal spritzen, die erste Hypo und halt alles was mit Diabetes zu hat, ist gemeint. Nun gut, dann schreibe ich halt darüber.

Ich habe meinen Diabetes geschenkt bekommen, als ich vier Jahren alt wurde. Außer den Windeln hab ich sozusagen alles mit dem Diabetes zum ersten Mal erleben. Hehe, auch das klassische erste Mal eben. Dann fang ich mal an.

… die wilden Jahre meiner Kindheit

Mit vier hab ich natürlich noch nicht gespritzt. Das machte meine Mutter. Ich erinnere mich nur noch, dass für mich das Leben nach der Diagnose erst richtig begann und ich die Zeit davor mit hohem Blutzucker und wohl der ein oder anderen Ketoazedose als sehr quälend empfand. Damals vor mehr als drei Jahrzehnten kam man als Diabetiker sehr schnell und sehr oft ins Krankenhaus und man verbrachte dort viel, viel Zeit, meistens nicht weniger als drei Wochen. Ich kam mit einem Blutzuckerwert von 350 mg/dl ins Krankenhaus und wurde dann einige Wochen später nach erfolgreicher Behandlung mit einem Wert von 349 mg/dl entlassen. Wilde Zeiten eben, leicht experimentell.

… und das erste Spritzen

Kurz nachdem ich eingeschult wurde, war es wieder einmal so weit, auf meinem Stundenplan stand wieder Krankenhaus. Diesmal kamen die Schwertern und der Stationsarzt auf eine blöde Idee. Ich sollte lernen mich selbst zu spritzen, dann würde ich entlassen werden. Aus 10ml U40 Insulin-Fläschchen zog ich zum ersten Mal das Insulin in eine Plastikspritze mit ml – Skalierung auf. Es gab eine dicke Nadel zum Aufziehen um dann eine kleine etwas dünnere Nadel zu spritzen drauf zu stecken. Die Nadel war etwas zu lang. Ich musste aufpassen das Ding nicht zu weit reinzuhauen und bildete eine Hautfalte. Angst hatte ich keine. Mir hat immer das intravenöse Blut abnehmen an der Ader weh getan. Mit einem solchen Schmerz hatte ich gerechnet. Ich war überrascht, dass ich das doch recht schmerzlos auf Anhieb hinbekam. Die Nadeln waren damals schon recht dick, da hat sich dann in den folgenden Jahren sehr viel getan.

… das erste mal selbst Blutzucker messen

Blutzuckermessgeräte gab es schon. Krankenkassen, die die Geräte bezahlt haben noch nicht. Sie mussen sehr teuer gewesen sein. Mein erstes Messgerät hab ich so im Alter von sechzehn, siebtzehn Jahren bekommen. Ich war begeistert so ein cooles Teil zu haben. Ihr müsst Euch vorstellen damals gab es noch keine Smartphones, Computer, MP oder DVD Player. Es gab nur Kassetten und Schallplatten. Dementsprechend hatte jeder meiner Freunde auch nur einen Schallplattenspieler und einen Kastenrekorder. Aber ich hatte noch das besondere Teil, mein Blutzuckermessgerät. Das Stechen hat mir wohl bei meiner Begeisterung keine Probleme oder Schmerzen bereitet. Zumindest kann ich mich an keine erinnern.

… meine erste Hypo

An meine erste Hypo kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Ich weiß nur, dass ich damals als Kind starkes Herzrasen bekam und dann essen musste – eben eine Hypo hatte.

… Insulinpumpe

Es war glaube ich im Sommer 1992. Ich besuchte in der Frankfurter Festhalle ein Bruce Springsteen Konzert und übernachtete dann bei meinen Freunden im Odenwald. Am nächsten Morgen bin ich in einem Heidelberger Krankenhaus aufgewacht. Ich hatte in der Nacht eine starke Hypo. Ich bekam ohne groß nachzudenken zu können eine Insulinpumpe. Oh, wie ich das Ding am Anfang gehasst habe. Ich wusste nicht, wie ich mit ihr auf die Toilette gehen sollte. So habe ich das erst einmal im Rhythmus zum Katheter-Wechsel versucht. Aber irgendwann hat es klick gemacht und nach einem halben Jahr fand ich die Insulinpumpe genial, was man damit alles hinbekommt.

… „das erste Mal“

Ihr müsst wissen, dass ich wohl behütet aufgewachsen bin und eine durch und durch ordentliche, bürgerliche Schule besucht habe. Doch plötzlich war diese Idylle bedroht. Die Gefahr kam aus einer Nachbarklasse. Ein Klassenkameradin sei wohl ein Punk geworden, gewalttätig und mit anderen abgehauen. Alle regten sich auf und waren empört und fühlten sich bedroht. Mich hat es nicht interessiert. Bei mir war etwas anderes aktuell, genau mal wieder ein Krankenhaus Aufenthalt. Diesmal nicht direkt wegen ihm, meinem Diabetes. Es war ein sehr bedrückender Aufenthalt. Irgendwann wurde ich dann wieder entlassen und besuchte natürlich auch wieder die Schule. Wie immer kam ich zur Freude meiner Lehrer eine akademische viertel Stunde zu spät. Diesmal kamen mir zwei Polizisten entgegen. Als ich in das Schulgebäude kam stand in der Mitte der großen Eingangshalle eine Klassenkameradin. Sie war sehr ordentlich gekleidet und hatte eine Black Eyed White Rat auf ihrer Schulter. Sie wurde von der Polizei gebracht und stand nun da allein im Fluor und wartete auf den Schulleiter. Ich fing an mit ihr zu reden. Das soll die Punkerin gewesen sein, vor der jeder Angst hatte. Ich war verwundert. Sie war sehr nett und ordentlich gekleidet war sie auch. Wir unterhielten uns fast zwei Schulstunden. Dann kam der Schulleiter und sie gingen ein Gespräch führen. In der zweiten großen Pause sah ich sie wieder allein mit ihrer Rate in einer Ecke stehend. Ich ging wieder auf sie zu und fragte wie das Gespräch war. Sie fing an, dass es sehr schön gewesen sei, brach dann aber in Tränen aus. Ich nahm sie in meine Arme. Das war der Anfang meiner ersten Freundschaft.

… doch nun zum „Wahren ersten Mal“

Wir waren dann zwei Jahre zusammen und alles, alles das was ihr denkt, was jetzt noch kommt, haben wir zusammen erlebt. Ich und mein Diabetes haben mit ihr zum ersten mal das Zelten, das Trampen, und halt das „erste Erste Mal“ erlebt. Der Diabetes hatte sie nie gestört. Der Blutzucker beim allerersten Mal war recht hoch. Alles andere könnt ich Euch bestimmt denken.

… und zum Schluss ein eine Erfahrung

Eine Punkerin war sie ganz bestimmt nicht. Aber es interessierte mich auch nicht, was andere Leute im Ort von ihr dachten. Ich fühlte mich in ihrer Umgebung mit dem Diabetes, so wie ich war, wohl. Und ich akzeptierte sie, einfach so wie sie war. Das hat uns zusammengeführt. Ich habe vielleicht auch durch den Diabetes gelernt, dass es bei Menschen nicht auf Äußerlichkeiten ankommt, sondern dass man Menschen, wenn man sie näher kennenlernt, überraschend anders sieht. Und es lohnt sich immer Menschen gut kennenzulernen.

… to be continued

Ich bin ja jetzt auch noch nicht so alt, dass ich nicht noch viele Dinge zum ersten Mal erleben werde. So, dass ich schon voraus sagen kann, dass ich und mein Diabetes noch viele lustige und tragische erste Male zu erzählen haben. Ich werde das Thema ganz bestimmt noch einmal aufgreifen. Vielleicht geht es den anderen Bloggern genauso und es entsteht wieder eine Blogparade .

Viele Grüße Euer

Thomas

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1 Response

  1. 21. Juli 2015

    […] Thomas von Thomas Diabetes Blog […]

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